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Jugendmedientage BW: Das "WIR"-Gefühl

Jugendmedientage BW: Das "WIR"-Gefühl

Schublade auf, Generation rein, Schublade zu. Der Jugend von heute wird gerne ein Stempel aufgedrückt. Bei der Podiumsdiskussion der Jugendmedientage in Mannheim wurde wirklich jede Schublade aufgemacht und die Kommode gründlich durchwühlt.

 
 

Die 68er Generation ist wohl das Paradebeispiel für eine Gemeinschaft, die sich als eine Einheit sieht und in gemeinsamer Initiative für ihre Forderungen eintritt. Wie ist das bei uns? „Wir. Generation Egoismus?“, so das Thema der Diskussion. Aber sind wir wirklich alle selbstbezogene Einzelkämpfer?

Klagen über die Jugend sind ein historisches Phänomen. Und auch die 68er Jugend wird bei den älteren Semestern wohl kaum Begeisterung ausgelöst haben. Heute gibt es andere Werte als damals, welche die jetzige Altersgruppe prägen. Das wurde von den Referenten der Podiumsdiskussion als erstes thematisiert. „Die Jugend von heute ist sicherheitsorientierter. Die Sicherung von Konsum und Einkommen ist den Jugendlichen besonders wichtig.“, erklärte Philipp Ikrath, der Geschäftsführer von jugendkulturforschung.de. Kein Wunder, in einer Zeit, in der man sich auf nichts mehr verlassen kann. In einer Gesellschaft, in der Scheidungsraten mit über 50% und einem Job, in dem man jederzeit gefeuert werden kann, Realität sind, ist Sicherheit ein utopisches Szenario geworden. Lebenslange Familienbeziehungen und Jobs sterben aus. Da ist es doch ganz natürlich, dass man sich nach Sicherheit sehnt.

„Wir“ sind überlegen

Unsere Generation unterscheidet sich in vielen Dingen von dem so weltverändernden 68er Jahrgang. Wir sehen unsere Eltern zum Beispiel nicht als Gegner. Damals wollten Jugendliche aus der Kontrolle ihrer Eltern ausbrechen und alte Erziehungsstrukturen umwälzen. Es ging darum zu rebellieren. Heute sagen 71% der Jugendlichen, sie würden ihre Kinder genauso erziehen, wie ihre Eltern es mit ihnen gemacht haben. Anders als die 68er sind wir unseren Eltern ähnlich - und in einigen Bereichen sogar überlegen. Was zum Beispiel die Medienkompetenz, also den Umgang mit Internet, Handy und Co. angeht, so sind wir unseren Eltern um einiges voraus. „Die Jugend konsumiert Medien nicht nur, sie gestaltet sie", sagte Jung-Piratin Julia Reda, "und sie ist damit ein wichtiger Bestandteil der Demokratie". Auch im Bereich der kulturellen Offenheit sind wir besser angepasst. Während ein Schüleraustausch, um im Ausland Erfahrungen zu sammeln vor 20 Jahren noch eine Besonderheit war, so ist es heute Gang und Gebe. Mit anderen Sprachen und Kulturen können wir darum viel selbstverständlicher umgehen.

„Wir“ haben keine Zeit, Egoismusfabrik G8

In der Diskussion kamen die Referenten auch auf das Thema „Druck auf die Jugend“ zu sprechen. In einem waren sich alle einig, er ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Komasaufen, Ballerspiele und Null-Bock-Haltung, dieses Bild eines Jugendlichen dominiert die Medien und die öffentliche Meinung. Dieses Bild ist aus extremen Einzelfällen entstanden. „Die Zeit für Sport, Freunde und soziales Engagement muss man sich nehmen!“, so die Äußerung von Markus Maier aus dem Vorstand von dialog e.V.. Aber genau das wird für Jugendliche zu einem immer größeren Problem. Alles muss möglichst schnell passieren, man wird durch die Schulzeit praktisch durchgejagt. Und trotzdem wollen die Jugendlichen alles, was nur geht, sehen und erleben. Vielleicht landen darum viele Schüler an einem lernfreien Wochenende mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus. Erfahrung Alkohol? Abgehakt.

Herrn Maier ist es wahrscheinlich nicht klar, dass bereits Zehntklässler ein Unterrichtspensum von 40 Stunden in der Woche haben. Ohne Hausaufgaben versteht sich. Nur so nebenbei: Wegen dieser Arbeitszeit gingen die lokalen Müllentsorgungsfirmen vor ein paar Jahren in den Streik. Wie also soll man es schaffen Schule, Freunde, Hobbys und soziales Engagement unter einen Hut zu bekommen? Man muss egoistisch werden. Darauf achten, dass man das schafft, was man sich vorgenommen hat. Wir werden zu Egoisten erzogen.

„Wir“ sind qualifiziert

Wer nicht ehrgeizig ist und sich nicht ständig weiterbilden will, ist heutzutage ziemlich schnell weg vom Fenster. Abitur, Bachelor, Auslandsemester, Master, Praktika und irgendwann mal leben. Erwartungsdruck fördert Konkurrenzverhalten. Weg vom Teamplayer, hin zum Einzelkämpfer.
Es fehlt das „WIR“-Gefühl. Dabei können wir zusammen viel erreichen. Wie zum Beispiel bei den Jugendmedientagen.

Fazit?

Kommode wegschmeißen!

Weiterführende Links

im Jugendnetz:

im weiteren WWW:

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